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DQ200 Druckspeicher wechseln: Einbauanleitung Schritt für Schritt mit Drehmomenten und Werkzeugliste

Der Druckspeicher, auch Akkumulatorkolben genannt, hält im 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe DQ200 (0AM, 0CW) den Hydraulikdruck. Lässt er nach, läuft die Hydraulikpumpe dauerhaft, der Druck fällt ab und das Getriebe geht in den Notlauf. Im Fehlerspeicher stehen dann typischerweise P17BF, P189C oder P0841.

Es gibt zwei Wege. Variante A ist der Standardfall: Wechsel direkt am Fahrzeug, die Mechatronik bleibt eingebaut. Variante B ist der Wechsel bei ausgebauter Mechatronik, nötig wenn der Bauraum nicht ausreicht. Beide Wege setzen Werkstatt-Erfahrung und ein Diagnosegerät voraus. Lesen Sie die Anleitung einmal komplett, bevor Sie beginnen.

Sicherheit zuerst

Systemdruck: Das Hydrauliksystem steht mit bis zu 60 bar unter Druck. Vor dem Lösen des Druckspeichers muss der Systemdruck vollständig abgebaut sein (Schritt 3). Den Druckspeicher niemals öffnen – er enthält eine vorgespannte Gasfüllung.

Sauberkeit ist Pflicht: Kleinste Partikel können Ventile der Mechatronik blockieren. Vor dem Öffnen reinigen, fusselfreie Tücher verwenden.

Batterie abklemmen, bevor der Anlasser ausgebaut oder an der Mechatronik gearbeitet wird.

Fahrzeug sicher aufbocken oder Hebebühne verwenden. Nötig sind Werkstatt-Erfahrung und ein Diagnosegerät (VCDS, OBDeleven, ODIS).

Werkzeug und Material

Werkzeug / MaterialWofür
Drehmomentschlüssel ca. 5–60 Nmalle Anzugswerte dieser Anleitung
Torx-Nuss T70 (½ Zoll)Druckspeicher lösen und anziehen
Torx-BitsSchrauben an der Speicheraufnahme
Auffangwanne, Bremsenreiniger, fusselfreie Tücherrund 1 Liter Öl läuft ab
1 Liter Zentralhydrauliköl nach VW-Norm G 004 000 M2 (z. B. FEBI oder RAVENOL)Befüllung nach dem Einbau; Gebinde mit Einfüllrohr wählen
Neue Deckeldichtung und neue Alu-DeckelschraubenEinwegschrauben, die alten nicht wiederverwenden
Diagnosegerät (VCDS, OBDeleven, ODIS)Druck ablassen, Fehlerspeicher, Ist-Werte, Grundeinstellung
Montagewerkzeug 2025-556, Abstandshalter 2026-838Variante B und Einbau der Mechatronik

Variante A: Wechsel am Fahrzeug, die Mechatronik bleibt eingebaut

  1. Zugang schaffen: Fahrzeug anheben, Luftfilterkasten ausbauen, je nach Motor zusätzlich den Anlasser. Motorabdeckung und Unterfahrschutz entfernen.
  2. Hydrauliköl ablassen: Auffangwanne unterstellen, Ablassschraube an der Mechatronik öffnen, Öl vollständig ablaufen lassen (ca. 1 Liter).
  3. Systemdruck abbauen: Zündung ein, mit dem Wählhebel mehrmals die Fahrstufen durchschalten (P–R–N–D), bis die Gangsteller den Restdruck verbraucht haben. Alternativ über das Diagnosegerät ablassen. Dann Wählhebel auf P, Zündung aus, Batterie abklemmen.
  4. Öl-Deckel öffnen (siehe Bild 2): Nur die markierten Aluschrauben lösen, Deckel abnehmen, Restöl auffangen, Dichtfläche reinigen.
  5. Alten Druckspeicher ausbauen: Mit der Torx-T70-Nuss langsam lösen, bis der Dichtring sichtbar wird – dann rund 60 Sekunden warten, weil noch Restdruck ansteht. Erst danach vollständig herausschrauben.
  6. Adapterhülse montieren (siehe Bild 1): Die drei vorhandenen Torx-Schrauben an der Speicheraufnahme lösen. Reparaturhülse aufsetzen und mit denselben Schrauben mit 10–12 Nm festziehen. Die Hülse überbrückt das gerissene Gewinde im Gehäuse.
  7. Neuen Druckspeicher einbauen (siehe Bild 1): Dichtring leicht mit Hydrauliköl benetzen, in den Adapter einschrauben und mit 55–60 Nm anziehen.
  8. Deckel montieren: Neue Dichtung auflegen, neue Aluschrauben verwenden und über Kreuz mit 8 Nm anziehen. Ablassschraube eindrehen.
  9. Öl befüllen: Einfüllschraube öffnen, sie sitzt hinter dem Anlasser, und 1,0 Liter frisches Zentralhydrauliköl einfüllen. Danach verschließen.
  10. Zusammenbau: Anlasser und Luftfilterkasten einbauen, Batterie anklemmen. Weiter mit der Funktionsprüfung.

DQ200 Druckspeicher wechseln: drei Torx-Schrauben lösen, Adapterhülse befestigen, neuen Druckspeicher einsetzen

Bild 1: Die drei Torx-Schrauben lösen, Hülse befestigen, neuen Druckspeicher einsetzen.

DQ200 Mechatronik Öl-Deckel: nur die markierten Aluschrauben lösen

Bild 2: Öl-Deckel – nur die markierten Schrauben lösen.

Variante B: Wechsel bei ausgebauter Mechatronik

Bei einigen Motorvarianten reicht der Bauraum für Variante A nicht aus, dann muss die Mechatronik heraus. Hier ist deutlich mehr Erfahrung nötig.

  1. Schritte 1 bis 3 wie in Variante A: Zugang schaffen, Öl ablassen, Druck abbauen, Batterie abklemmen. Zusätzlich den Getriebestecker abziehen.
  2. Kupplungs-Nachstellvorrichtung sichern (siehe Bild 3): Beim Ausbau das Hebelwerkzeug zwischen Einrückhebel und Getriebegehäuse stecken und dort belassen. Ein ruckartiges Entfernen kann die selbstnachstellende Kupplung verstellen.
  3. Befestigungsschrauben der Mechatronik lösen und die Einheit vorsichtig herausnehmen. So ablegen, dass kein Öl über die Entlüftung austritt.
  4. Druckspeicher-Wechsel wie in Variante A, Schritte 4 bis 8, mit denselben Drehmomenten.

Hebelwerkzeug beim Aus- und Einbau der DQ200 Mechatronik am Einrückhebel

Bild 3: Hebelwerkzeug beim Aus- und Einbau der Mechatronik, Position am Einrückhebel.

Einbau der Mechatronik – 3 Schritte

Beim Einbau der DQ200-Mechatronik passieren die meisten Fehler. Einheiten werden oft auf gut Glück eingesetzt, das führt zu Funktionsstörungen bis hin zu Beschädigungen. Auch das Vorpositionieren auf Neutral nur über die Diagnose ist in der Praxis keine sichere Methode. Gehen Sie stattdessen systematisch in drei Schritten vor.

  1. Stößel einstellen (siehe Bild 4): Alle vier Stößel der Mechatronik exakt auf ein Maß von 25 mm einstellen. Am einfachsten mit dem Abstandshalter-Werkzeug 2026-838: einfach eindrücken, das 25-mm-Maß stellt sich automatisch ein, ein Messen mit dem Zollstock entfällt. Nur mit korrekt eingestellten Stößeln greifen die Gangsteller sauber in die Schaltgabeln.
  2. Getriebeseite kontrollieren (siehe Bild 5): Alle Schaltgabeln müssen in Neutralposition stehen. Das DQ200 hat 7 Vorwärtsgänge und 1 Rückwärtsgang, jede Gabel schaltet einen Gang nach links und einen nach rechts, die Mittelstellung ist Neutral. Vor dem Einbau muss das Getriebe exakt so stehen.
  3. Mechatronik einsetzen: Erst wenn Getriebe und Mechatronik korrekt vorbereitet sind, die Einheit vorsichtig einsetzen. Herstellervorgaben beachten, Anzugsdrehmomente und Ölfüllmenge 1,0 Liter. Danach ist die Grundeinstellung mit dem Diagnosegerät zwingend erforderlich.

DQ200 Mechatronik Stößel auf 25 mm einstellen mit Abstandshalter-Werkzeug

Bild 4: Abstandshalter eindrücken, das Stößelmaß 25 mm stellt sich automatisch ein.

DQ200 Schaltgabeln in Neutralposition, Mittelstellung vor dem Einbau der Mechatronik

Bild 5: Alle Schaltgabeln in Neutralposition, also in Mittelstellung.

Werkzeugkasten für diesen Einbau

Montagewerkzeug DSG 7-Gang DQ200, Art.-Nr. 2025-556 – schützt beim Aus- und Einbau die Kupplungs-Nachstellvorrichtung.

Abstandshalter DQ200 Mechatronik, Art.-Nr. 2026-838 – eindrücken statt messen, stellt alle Stößel auf exakt 25 mm.

Anzugsdrehmomente im Überblick

VerschraubungAnzugsdrehmoment
Adapter- beziehungsweise Reparaturhülse (3 Torx-Schrauben)10–12 Nm
Druckspeicher (in den Adapter einschrauben)55–60 Nm
Aluschrauben Öl-Deckel (immer neue verwenden)8 Nm
Öl-Ablassschraube und Einfüllschraube Mechatronikhandfest + ¼ Umdrehung, nicht überdrehen

Die Werte gelten für den von uns gelieferten Reparatursatz. Fahrzeugseitige Schrauben nach Herstellervorgabe anziehen.

Nach dem Einbau – Funktionsprüfung

Fehlerspeicher löschen, im Motor- und im Getriebesteuergerät.

Zündung ein: Die Hydraulikpumpe darf beim ersten Druckaufbau bis zu rund 1 Minute laufen und muss dann abschalten. Läuft sie dauerhaft weiter, sofort abstellen und den Einbau kontrollieren.

Ist-Werte auslesen: Nach der Reparatur steigt der Hydraulikdruck kurz auf 58 bis 62 bar und fällt dann langsam bis 42 bar ab. Bei 42 bar muss die Pumpe den Druckspeicher wieder auf 58 bis 62 bar aufpumpen. Der Druck darf nur langsam abfallen – ein schneller Abfall zeigt eine Undichtigkeit.

Grundeinstellung beziehungsweise Adaption bei Bedarf, nach jedem Mechatronik-Einbau immer.

Probefahrt: Alle Gänge durchschalten, auf Ruckeln und Warnmeldungen achten, danach die Dichtheit kontrollieren.

Fragen vor dem Einbau? Schreiben Sie uns über das Kontaktformular des Shops – gern mit einem Foto vom Einbau.

Häufige Fragen

Wie tausche ich den Druckspeicher im DSG-Getriebe?

Beim DQ200 läuft der Wechsel in der Regel am eingebauten Getriebe ab: Öl ablassen, Systemdruck abbauen, Öl-Deckel öffnen, alten Speicher mit der Torx-T70-Nuss lösen und rund 60 Sekunden warten. Danach Adapterhülse setzen, neuen Druckspeicher einschrauben, Deckel mit neuer Dichtung und neuen Aluschrauben montieren, 1,0 Liter Zentralhydrauliköl einfüllen. Zum Schluss Fehlerspeicher löschen und Funktionsprüfung.

Welches Anzugsdrehmoment hat der Druckspeicher im DQ200?

Der Druckspeicher wird mit 55–60 Nm in den Adapter eingeschraubt. Die drei Torx-Schrauben der Adapterhülse werden mit 10–12 Nm angezogen, die Aluschrauben des Öl-Deckels über Kreuz mit 8 Nm, Ablass- und Einfüllschraube handfest plus einer Viertelumdrehung.

Was bedeutet der Fehlercode P17BF beim DSG?

P17BF steht für eine Störung der Hydraulikpumpe im DQ200. Zusammen mit P189C, also einem unzureichenden Druckanstieg, ist das ein typisches Bild für einen nachlassenden Druckspeicher. Auffällig sind eine dauerhaft laufende Pumpe, Notlaufbetrieb und eine blinkende PRNDS-Anzeige.

Kann man den Druckspeicher im eingebauten Zustand wechseln?

Ja, das ist der Standardfall und in dieser Anleitung Variante A: Die Mechatronik bleibt im Fahrzeug, gearbeitet wird über den Öl-Deckel. Nur wenn der Bauraum bei einzelnen Motorvarianten nicht ausreicht, muss die Mechatronik heraus. Speicherwechsel und Drehmomente sind in beiden Fällen identisch.

Muss nach dem Wechsel eine Grundeinstellung gemacht werden?

Nach jedem Ein- und Ausbau der Mechatronik, also nach Variante B, ist die Grundeinstellung mit dem Diagnosegerät zwingend erforderlich. Bei Variante A wird sie bei Bedarf durchgeführt, der Fehlerspeicher aber in jedem Fall gelöscht. Danach die Ist-Werte kontrollieren: kurz 58 bis 62 bar, langsamer Abfall bis 42 bar, dann pumpt die Pumpe wieder auf 58 bis 62 bar.

Anleitung als PDF

Einbauanleitung als PDF herunterladen – zum Ausdrucken, mit allen Bildern und der Drehmoment-Tabelle.

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