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VTG-Kalibrierung Schritt für Schritt — mit ISTA, Launch oder Autel

Ein neues oder instandgesetztes Verteilergetriebe ist eingebaut, alles sitzt, das Öl ist drin — und trotzdem ruckelt es. In sehr vielen dieser Fälle ist am Bauteil nichts falsch. Es fehlt die Kalibrierung. Sie ist der Arbeitsschritt, der beim xDrive am häufigsten vergessen wird, und der einzige, den man nicht mit Werkzeug, sondern nur mit dem Diagnosesystem erledigen kann.

Warum eine Kalibrierung überhaupt nötig ist

Das Verteilergetriebe verteilt die Kraft nicht über ein festes Zahnradverhältnis, sondern über eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung. Der Stellmotor erzeugt den Anpressdruck, das Steuergerät regelt ihn. Damit diese Regelung funktioniert, muss das Steuergerät wissen, bei welcher Motorposition die Lamellen sich gerade berühren — der sogenannte Anlegepunkt — und wie viel Weg bis zur vollen Anpressung bleibt.

Dieser Punkt ist bei jedem Getriebe etwas anders und verschiebt sich im Betrieb, weil sich die Reibbeläge setzen. Das Steuergerät hat dazu Adaptionswerte gelernt — und die passen exakt zum alten Zustand. Wird das Getriebe getauscht, instandgesetzt oder auch nur das Öl gewechselt, sind diese Werte falsch. Das Steuergerät regelt dann gegen eine Kupplung, die es nicht mehr kennt.

Der Ölwechsel wird dabei oft unterschätzt. Frisches BMW DTF-1 hat andere Reibeigenschaften als altes, mit Abrieb belastetes Öl. Deshalb gehört auch nach dem planmäßigen Ölwechsel alle 60.000 km eine Kalibrierung dazu.

Der Weg im ISTA-System

Der Pfad im BMW-Diagnosesystem ISTA ist kurz und immer derselbe:

  1. Fahrzeug identifizieren und die Diagnose vollständig aufbauen lassen.

  2. Im Menü den Punkt Servicefunktionen öffnen.

  3. Den Bereich Antrieb wählen.

  4. Dort VTG Getriebesteuerung aufrufen.

  5. Die Funktion Kalibrierung starten und dem Ablauf im Bildschirm folgen.

Das System führt die Routine selbst aus: Es fährt den Stellmotor über seinen Weg, sucht den Anlegepunkt und schreibt die neuen Grundwerte ins Steuergerät. Der Ablauf darf nicht abgebrochen werden, die Bordspannung muss stabil bleiben.

An dieses eine System ist die Kalibrierung nicht gebunden: Sie lässt sich ebenso mit den Diagnosegeräten Launch und Autel durchführen. Der Anspruch an die Arbeit bleibt derselbe, nur das Werkzeug ist ein anderes.

Danach: rund 200 km einlernen

Mit dem Abschluss im ISTA ist die Arbeit nicht beendet, sondern der Startwert gesetzt. Das System verfeinert diesen Wert anschließend im Fahrbetrieb. Als Richtwert gilt eine Fahrstrecke von etwa 200 km, in der die Steuerung ihre Adaption aufbaut.

Sinnvoll ist gemischtes Fahren: Anfahren, Rangieren, Kurven bei langsamer Geschwindigkeit, Landstraße, ein Stück Autobahn. Reines Geradeausfahren hilft wenig, weil das System ab etwa 180 km/h ohnehin auf reinen Heckantrieb schaltet und die Kupplung dann kaum arbeitet.

In dieser Phase kann sich das Fahrzeug noch etwas anders anfühlen als gewohnt. Ein sanftes Zucken beim Rangieren in den ersten Kilometern ist unauffällig. Bleibt es nach der Strecke bestehen, ist es keine Adaption mehr, dann muss man weitersuchen.

Was passiert, wenn man die Kalibrierung weglässt

Das Steuergerät arbeitet mit den alten Werten weiter. Es setzt den Anpressdruck an der falschen Stelle an: entweder zu früh, dann verspannt die Kupplung im Kurvenbetrieb und der Fahrer merkt Ruckeln beim Rangieren oder ein Hüpfen in Kurven bei langsamer Geschwindigkeit. Oder zu spät, dann rutschen die Lamellen unter Last, werden heiß und verschleißen.

Beides führt zu Fehlereinträgen und zu Meldungen wie einer unbekannten Kupplungsposition oder einer vorübergehend stillgelegten Kupplung. Der bittere Teil: Ein frisch eingebautes Getriebe kann so nach kurzer Zeit wieder Schaden nehmen — und der Fehler wird dem Bauteil zugeschrieben statt dem fehlenden Arbeitsschritt.

Was die Werkstatt dafür braucht

Nötig sind ein Diagnosesystem, das die Servicefunktion beherrscht — also ISTA in passender Version mit BMW-fähigem Interface, alternativ ein Launch- oder Autel-Gerät — und eine stabile Spannungsversorgung über ein Ladegerät. Ein einfaches OBD-Lesegerät reicht nicht: Die Servicefunktion ist keine Löschroutine, sondern eine geführte Routine im Steuergerät.

Vorher sollten Ölstand und Steckverbindung am Stellmotor stimmen und die Reifen geprüft sein. Mehr als 2 mm Profiltiefenunterschied zwischen Vorder- und Hinterachse erzeugen eine Verspannung, gegen die keine Adaption ankommt.

Was das für freie Werkstätten bedeutet

Lange war die Kalibrierung der Grund, ein Fahrzeug nach getaner Arbeit noch einmal weiterzuschicken. Das Getriebe saß, das Öl war drin, und dann fehlte der letzte Schritt, weil kein BMW-Werksdiagnosesystem im Betrieb stand.

Nötig ist das nicht mehr. Wer ein Launch- oder Autel-Gerät im Haus hat, fährt die Kalibrierung selbst. Der Auftrag bleibt damit in einer Hand: Ausbau, Einbau, Befüllen, Kalibrieren, Übergabe mit dem Hinweis auf die Einlernfahrt. Der Kunde spart den zweiten Termin anderswo.

Am Ergebnis im Steuergerät ändert das Werkzeug nichts. Entscheidend bleibt, dass kalibriert wird und dass es als eigene Position auf der Rechnung steht. Ebenso wenig ersetzt ein Gerät die Vorarbeit: Ölstand, Steckverbindung am Stellmotor und Profiltiefen gehören vorher geprüft, und die rund 200 Kilometer Einlernfahrt bleiben in jedem Fall.

Kurzcheckliste

Einbau abschließen, Öl kontrollieren, Fehlerspeicher auslesen und löschen, ISTA-Kalibrierung über Servicefunktionen, Antrieb, VTG Getriebesteuerung durchführen, rund 200 km gemischt fahren, danach Fehlerspeicher erneut prüfen.

Bei jedem Verteilergetriebe, das von uns kommt — ob ATC13, ATC300, ATC350, ATC35L, ATC400, ATC450 oder ATC45L — legen wir Wert darauf, dass dieser Schritt gemacht wird. Wenn Sie zur Kalibrierung oder zum passenden Typ für Ihr Fahrzeug eine Frage haben, rufen Sie an unter 0163 - 1553322, auch per WhatsApp. Beim Einbau in unserer Werkstatt in Garbsen erledigen wir die Kalibrierung mit und geben 15 Monate Garantie, beim Versand sind es 12 Monate.

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