Reifen und BMW xDrive — warum schon 2 Millimeter Profilunterschied das Verteilergetriebe zerstören
Von allen Schäden am Verteilergetriebe ist einer besonders ärgerlich: der, den nichts verursacht hat außer zwei neuen Reifen an der falschen Achse. Kein Materialfehler, kein Alter, keine Überlastung. Nur unterschiedlich abgefahrene Reifen — und ein Getriebe, das über Monate gegen einen Zustand anregelt, den es nicht auflösen kann.
Der Zusammenhang zwischen Profiltiefe und Rollumfang
Ein Reifen mit viel Profil hat einen größeren Außendurchmesser als derselbe Reifen mit wenig Profil. Der Unterschied wirkt oben und unten, geht also doppelt in den Durchmesser ein. Der Umfang ist der Durchmesser mal Pi — ein Millimeter mehr Profil bedeutet damit zwei Millimeter mehr Durchmesser und rund 6,3 Millimeter mehr Rollumfang.
Das klingt nach wenig, für den Antriebsstrang ist es das nicht. Denn ein kleinerer Rollumfang bedeutet: Das Rad muss sich für dieselbe zurückgelegte Strecke öfter drehen. Eine Achse mit abgefahrenen Reifen dreht also dauerhaft schneller als eine Achse mit neuen Reifen. Bei mehr als etwa 2 Millimetern Profiltiefenunterschied zwischen Vorder- und Hinterachse ist diese Differenz so groß, dass sie den Antriebsstrang dauerhaft belastet.
Warum das beim xDrive anders wirkt als beim Fronttriebler
Beim Fahrzeug mit nur einer angetriebenen Achse ist die Sache harmlos: Die freilaufende Achse dreht, wie sie will.
Beim xDrive sind beide Achsen dauerhaft über das Verteilergetriebe miteinander verbunden. Die elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung verteilt die Kraft, im Normalbetrieb rund 40 Prozent nach vorn und 60 Prozent nach hinten, in Kurven bis zu 80 Prozent nach hinten, ab etwa 180 km/h fährt der Wagen als reiner Hecktriebler. Diese Kupplung ist keine feste Verbindung, sondern eine geregelte: Sie darf Drehzahlunterschiede zulassen und tut das auch, zum Beispiel in engen Kurven oder bei kurzem Durchdrehen eines Rades.
Genau das wird zum Problem. Bei unterschiedlichen Rollumfängen liegt permanent eine Drehzahldifferenz an — nicht nur kurz in der Kurve, sondern auf jedem Meter, auch bei stumpfer Geradeausfahrt auf trockener Autobahn. Die Kupplung muss diese Differenz ununterbrochen ausgleichen und arbeitet dabei ständig im Schlupf.
Was dabei im Getriebe passiert
Schlupf zwischen den Lamellen erzeugt Reibung und damit Wärme. Das Öl wird stärker belastet als vorgesehen und altert schneller. Gleichzeitig entsteht Abrieb, der im Öl bleibt und die Alterung weiter beschleunigt.
Parallel arbeitet der Stellmotor mehr, weil das Steuergerät den Anpressdruck ständig nachführt. Kugelrampe und Lager bekommen dadurch deutlich mehr Lastwechsel.
Bemerkbar macht es sich meist so, wie unsere Kunden es am Telefon beschreiben: Ruckeln im warmen Zustand beim Beschleunigen, Ruckeln beim Rangieren, Hüpfen in Kurven bei langsamer Geschwindigkeit auf Parkplätzen, ein Stottern beim Anfahren. Dazu kommen Meldungen der Traktionskontrolle und die 4x4-Lampe. Wer dann nur das Getriebe instand setzt und die Bereifung so lässt, wie sie ist, fängt den Verschleiß von vorne an.
Die praktischen Regeln
Immer achsweise wechseln, besser komplett. Zwei neue Reifen auf einer Achse und zwei mit halbem Profil auf der anderen sind genau der Zustand, der schadet. Beim xDrive ist der Satz zu viert die richtige Antwort.
Gleiche Marke, gleicher Typ, gleiche Dimension rundum. Zwei Reifen unterschiedlicher Hersteller mit derselben Größenangabe können abweichende Außendurchmesser haben. Mischbereifung über die Achsen hinweg gehört nicht an ein Allradfahrzeug.
Profiltiefe regelmäßig messen. Nicht schätzen, sondern an allen vier Rädern messen. Mehr als etwa 2 Millimeter Unterschied zwischen Vorder- und Hinterachse ist die Grenze, ab der gehandelt werden sollte.
Beim Notrad die Fahrt begrenzen. Ein Notrad hat einen deutlich abweichenden Rollumfang. Es ist dafür gedacht, das Fahrzeug langsam bis zur nächsten Werkstatt zu bringen, nicht für die Weiterfahrt über hunderte Kilometer.
Winter- und Sommersatz getrennt betrachten. Jeder Satz muss für sich stimmig sein. Wenn ein Satz Winterreifen an einer Achse deutlich stärker abgefahren ist, hilft es nicht, dass der Sommersatz gleichmäßig aussieht.
Nach einem Reifenschaden mitdenken. Ein einzelner neuer Reifen im abgefahrenen Satz ist beim xDrive keine gute Lösung. Bei stark abgefahrenen Reifen ist der neue Satz die günstigere Entscheidung.
Warum das der häufigste vermeidbare Schaden ist
Die meisten anderen Ursachen liegen außerhalb Ihres Einflusses. Die Bereifung nicht. Sie kostet keine zusätzliche Arbeit, nur eine bewusste Entscheidung beim Reifenkauf — und entscheidet mit darüber, ob das Verteilergetriebe die Laufleistung des Fahrzeugs erreicht.
Wenn Sie schon Symptome haben und wissen, dass Ihre Bereifung ungleich war: Schildern Sie uns die Situation unter 0163 - 1553322, gern per WhatsApp. Wir sagen Ihnen, ob eine Kalibrierung nach ISTA und ein Ölwechsel noch reichen oder ob die Lamellen bereits durch sind. Ein Austauschgetriebe erhalten Sie bei uns mit 12 Monaten Garantie bei Versand und 15 Monaten bei Einbau in unserer Werkstatt Autozentrum Garbsen.
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